Riboflavin

Alternative Bezeichnung: Vitamin B2

Was ist Riboflavin?

Riboflavin zählt zu den wasserlöslichen Vitaminen aus dem Vitamin-B-Komplex. In Form von Flavin-Mononukleotid (FMN) und Flavin-Dinukleotid (FAD) agiert Riboflavin unter anderem als Coenzym im Kohlenhydratstoffwechsel. Das sogenannte Vitamin B2 wird im Körper nur geringfügig in der Leber, in der Niere und im Herzen gespeichert und zirkuliert im Körper in einem enterohepatischen Kreislauf (so bezeichnet man das Zierkulieren unterschiedlicher Stoffe von der Leber über Gallenblase und Darm und zurück) mit einer biologischen Halbwertszeit von ca. zwei Wochen. Auch die Reservekapazität von Riboflavin beträgt nur zwei bis sechs Wochen, weshalb das essentielle Vitamin kontinuierlich mit der Nahrung zugeführt werden sollte.

Wirkung und Funktion von Riboflavin

Im Körper erfüllt das B-Vitamin zahlreiche, teils sehr unterschiedliche Funktion. Riboflavin...

  • trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei
  • ist an der normalen Funktion des Nervensystems beteiligt
  • wirkt am Erhalt normaler Sehkraft der Augen mit
  • leistet einen Beitrag zur Bewahrung normaler Schleimhäute
  • trägt zur Erhaltung normaler Haut bei
  • spielt bei der Erhaltung normaler roter Blutkörperchen eine Rolle
  • wirkt an einem normalen Eisenstoffwechsel mit.

Und das sind längst nicht alle Funktionen, an denen Riboflavin im Organismus beteiligt ist. So trägt das vielseitige Vitamin auch dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen und es leistet einen Beitrag zur Verminderung von Müdigkeit und Ermüdung.

Riboflavinbedarf

Um den Bedarf an Riboflavin optimal zu decken, sollten pro 1.000 aufgenommenen Kilokalorien über 0,6 Milligramm Riboflavin verzehrt werden, wobei die tägliche Aufnahme bei mindestens 1 Milligramm Riboflavin liegen sollte. Systemische Infektionen können dabei den Riboflavinbedarf vorübergehend erhöhen, ein niedriges Verhältnis von Fett und Kohlenhydraten in der Nahrung kann den Bedarf hingegen senken.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Riboflavin nach Lebensalter gestaffelt dargestellt. Bei einer erhöhten Kalorienaufnahme sollte die Riboflavinzufuhr jedoch angepasst werden.


Zufuhrempfehlungen der DGE für Riboflavin

Lebensalter

Zufuhrempfehlungen (mg/d)

m

w

0 bis 4 Monate

0,3

0,3

4 bis 12 Monate

0,4

0,4

1 bis 4 Jahre

0,7

0,7

4 bis 7 Jahre

0,8

0,8

7 bis 10 Jahre

1,0

0,9

10 bis 13 Jahre

1,1

1,0

13 bis 15 Jahre

1,4

1,1

15 bis 19 Jahre

1,6

1,2

19 bis 25 Jahre

1,4

1,1

25 bis 51 Jahre

1,4

1,1

51 bis 65 Jahre

1,3

1,0

Über 65 Jahre

1,3

1,0

Schwangere ab dem 4. Monat

1,3

Stillende

1,4


Riboflavin in Lebensmitteln

Riboflavin ist in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln enthalten. Es ist ein hitzestabiles, jedoch lichtempfindliches Vitamin, weshalb zum Beispiel Milch immer lichtgeschützt aufbewahrt werden sollte, damit sie ihren vollen Vitamingehalt bewahrt. Aufgrund der hohen Wasserlöslichkeit des Vitamins können ausserdem grosse Verluste beim Kochen oder beim Waschen der verwendeten Lebensmittel entstehen.

Besonders gute Quellen für Vitamin B2 sind gegarte Schweineleber (3,7 mg pro 100 g) und -nieren (2,2 mg pro 100 g) sowie feine Leberwurst (1,3 mg pro 100 g). Aber auch Mandeln (süss), Gorgonzola und Edamer-Käse (30 % Fett i. Tr.) sind gute Riboflavinquellen (über 0,3 mg pro 100 g).

Riboflavinmangel und Nahrungsergänzung

Ein Mangel an Riboflavin tritt häufig zusammen mit einer Unterversorgung an anderen B-Vitaminen auf. Da Riboflavin für die Aktivierung von Vitamin B6 zuständig ist und Tryptophan zu Niacin umwandelt, kann eine Unterversorgung mit Vitamin B2 auch einen Vitamin-B1- und B6-Mangel hervorrufen. Insbesondere junge Menschen sowie Frauen in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit sollten auf eine ausreichende Versorgung mit dem Mikronährstoff achten.

Eine Störung im Riboflavinhaushalt kann unter anderem durch chronische Erkrankungen, Fieber, Krebs, starke Verbrennungen oder Störungen im Verdauungstrakt hervorgerufen werden. Auch hoher Alkoholkonsum sowie die Einnahme bestimmter Medikamente (Pille, Beruhigungsmittel, Antibiotika) können den Riboflavinhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen.

Verschiedene andere Faktoren erhöhen oder verringern zudem die Absorption von Riboflavin, also die Aufnahme des Vitalstoffs in den Körper. Während Nahrungfasern, Gallensäure, flavinhaltige Enzyme und eine verzögerte Magenentleerung die Riboflavinabsorprtion erhöhen, können metallische Mineralstoffe (Eisen, Kupfer, Zink), Tryptophan, Saccharin, Nikotinamid, Vitamin C, Kaffee (Koffein) und Tee (Theophyllin) die Riboflavinabsorption vermindern, sodass eine höhere Aufnahme des Vitamins zur notwendig ist, um den Bedarf zu decken. Aber auch Laktoseintoleranz, Diabetes mellitus und systemische Infektionen können zu einem Riboflavinmangel führen.

Die möglichen Symptome einer Unterversorgung können zum einen Übelkeit, Halsentzündungen und Ödeme im Bereich der Schleimhäute, sowie eine Lichtempfindlichkeit und Trockenheit der Augen, eingerissene Mundwinkel und fettige, juckende Haut sein. Zum anderen können Störungen der mentalen Balance und Blutarmut auftreten, da die Produktion roter Blutkörperchen nur eingeschränkt stattfindet.

Ob diese Symptome, wenn sie sich zeigen, im Zusammenhang mit einem Riboflavinmangel stehen, muss in jedem Einzelfall der behandelnde Arzt abklären. Bei der Therapie eines nachgewiesenen Riboflavinmangels wird zunächst die Riboflavinversorgung über die Nahrung verbessert und mit 5 bis 10 Milligramm Riboflavin pro Tag als zusätzliche Nahrungsergänzung supplementiert.


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