H, Vitamin

Alternative Bezeichnungen: Biotin, Vitamin B7

Was ist Biotin?

Biotin gehört zu den wasserlöslichen B-Vitaminen. Es kann nur in kleinen Mengen in der Leber gespeichert werden, weshalb es regelmässig mit der Nahrung aufgenommen werden sollte. Aber auch in der menschlichen Darmwand sitzen Bakterien, die Biotin produzieren, weshalb die ausgeschiedene Biotinmenge höher ist, als die aufgenommene. Wissenschafter vermuten jedoch, dass das bakteriell produzierte Biotin nur zu einem geringen Anteil zur Bedarfsdeckung beiträgt.

Wirkung und Funktion von Biotin

Biotin ist als prosthetische Gruppe ein Bestandteil verschiedener Enzyme, sodass es sowohl am Fettsäure- und Kohlenhydrat-, als auch am Proteinstoffwechsel beteiligt ist. Es ist beispielsweise bei der Umwandlung von Linolensäure in die essentiellen Omega-3-Fettsäuren oder bei der Bildung von Glukose zur Aufrechterhaltung eines konstanten Blutzuckerspiegels beteiligt. Des Weiteren ist Biotin wichtig für die DNA-Synthese und ein gesundes Zellwachstum.

Biotinbedarf

Zwar ist ein genauer Biotinbedarf momentan nicht bekannt, doch haben Untersuchungen gezeigt, dass eine adäquate Biotinversorgung bei einem Biotinspiegel von 1500 pmol/l im Plasma und 70 nmol/l im Urin vorliegt. Die Empfehlungen einer angemessenen Biotinzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind Schätzwerte, die sich nach der täglichen Biotinaufnahme der Bevölkerung richten und in der nachfolgenden Tabelle dargestellt sind. Da Biotin in vielen Lebensmitteln enthalten ist, kann der Bedarf mit der Nahrung gut abgedeckt werden. Wissenschafter vermuten jedoch, dass der Bedarf vor allem in der Schwangerschaft und bei chronischer Einnahme von Antikonvulsiva (Medikamente zur Behandlung epileptischer Krampfanfälle) erhöht ist, sodass grössere Mengen Biotin aufgenommen werden sollten.

Zufuhrempfehlungen der DGE für Biotin nach Lebensabschnitt

Lebensabschnitt

Zufuhrempfehlungen (µg/Tag)

0 bis 4 Monate

5

4 bis 12 Monate

5 bis 10

1 bis 10 Jahre

15 bis 20

10 bis 13 Jahre

20 bis 30

13 bis 15 Jahre

25 bis 35

Ab 15 Jahre

30 bis 60

Schwangere

30 bis 60

Stillende

30 bis 60

Biotin in Nahrungsmitteln

Biotin kommt in vielen Lebensmitteln in kleinen Mengen vor, wobei es entweder in freier Form vorliegt (z.B. Früchte, Gemüse, Milch, Reiskleie) oder an Proteine gebunden ist (z.B. tierische Lebensmittel, Pflanzensamen, Hefe). Weil Biotin gegenüber Wärme relativ stabil ist, gehen bei der Zubereitung nur geringe Konzentrationen verloren. Das Vitamin ist jedoch UV-empfindlich und sollte daher keiner grossen Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Ein hoher Gehalt an Biotin findet sich vor allem in Rinder- (103 µg/100 g) und Kalbsleber (77 µg/100 g), Erdnussbutter (67 µg/100 g), Weizenkleie (44 µg/100 g) und Lachs (30 µg/100 g).

Biotinmangel und -supplementierung

Ein Mangel an Biotin tritt in der Regel nur bei einem langfristigen Verzehr grosser Mengen roher Eier auf, weil das enthaltene Glykoprotein Avidin in der Lage ist, Biotin zu binden (Biotin-Avidin-Komplex) und es dadurch unwirksam macht. Erst beim Erhitzen auf über 100°C geht die biotinbindende Eigenschaft des Eies verloren. Aber auch bei genetischen Störungen, extremen Reduktionsdiäten und hohem Alkoholkonsum kann ein Biotinmangel auftreten. In der Regel geht eine Biotinunterversorgung mit einem Mangel anderer B-Vitamine einher.

Typische Symptome in der Störung des Biotinhaushaltes sind Muskelschmerzen, Haarausfall, Depressionen und Müdigkeit (veränderter Gemütszustand), aber auch taube oder kribbelnde Extremitäten, Erbrechen und das Auftreten schuppiger Hautstellen im Gesicht.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine Höchstgrenze von 18 µg Biotin in Nahrungsergänzungsmitteln bzw. 60 µg pro Portion eines Lebensmittels, das mit Biotin angereichert ist.

 

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