A Vitamin

Was ist Vitamin A?

Vitamin A ist eine Gruppe fettlöslicher Substanzen, die strukturell und funktionell mit Retinol, einem Vitamin-A-Alkohol, verwandt sind. Dabei entfalten einige Substanzen (Retinol, Retinylester) die volle Vitamin-A-Wirkung, andere hingegen nutzen dem Körper erst nach der Umwandlung zu Retinol im Organismus. Diese Substanzen werden als Provitamin-A bezeichnet, von denen das bekannteste beta-Carotin aus der Gruppe der Carotinoide darstellt. Nach der Aufnahme von Vitamin A über den Dünndarm wird Retinol in der Leber gespeichert. Der Speicher der Leber weist in der Regel eine Kapazität von 240 bis 540 Milligramm Retinol auf, sodass der Organismus für zwei Jahre mit Vitamin A versorgt werden kann.

Wirkung und Funktion von Vitamin A

Vitamin A ist unter anderem an der Synthese von Proteinen im Fettstoffwechsel der Leber beteiligt. Darüber hinaus bewirkt es ein gesundes Zellwachstum in der Haut und den Wänden der Harn-, Verdauungs- und Atemwege, wodurch Vitamin A die Widerstandsfähigkeit gegen Infektionserreger aufrechterhält. Auch durch die Bildung von Antikörpern ist Retinol an der Instandhaltung des Immunsystems beteiligt.

Retinol ist ausserdem ein zentraler Bestandteil der Netzhaut, wo es eine entscheidende Rolle bei der Weiterleitung von optischen Nervenimpulsen zum Gehirn übernimmt. Bei jedem Lichtstrahl, der aufs Auge trifft, wird dabei eine kleine Menge Vitamin A verbraucht. Aufgrund dessen kann schon ein geringer Vitamin-A-Mangel zu Sehbeeinträchtigungen bei Nacht führen.

Weitere wichtige Funktionen erfüllt Vitamin A bei der Genexpression, der Synthese von Geschlechtshormonen, dem Wachstum und beim Aufbau von Körperzellen wie der Schleimhäute, Haare oder Lymphgefässe.

Vitamin-A-Bedarf

Der Bedarf an Vitamin A wird idealer Weise zu 75 Prozent durch Retinol und zu 25 Prozent über Carotinoide gedeckt.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Retinol-Äquivalente dargestellt. Da der Bedarf von Vitamin A jedoch nach Alter, Geschlecht und Lebensabschnitt, aber auch durch Nikotinkonsum und einer mangelnden Zink-Aufnahme sehr stark variieren kann, liegen einige Empfehlungen über den Dosierungsangaben der DGE. Ernährungsmedizinische Zufuhrempfehlungen beginnen bei rund 5000 IE (ca. 1,5 mg) Retinol-Äquivalent pro Tag.

Lebensabschnitt

Zufuhrempfehlungen (mg-Äquivalent/ Tag)

m

w

0 bis 4 Monate

0,5

0,5

4 Monate bis 4 Jahre

0,6

0,6

4 bis 7 Jahre

0,7

0,7

7 bis 10 Jahre

0,8

0,8

10 bis 13 Jahre

0,9

0,9

13 bis 15 Jahre

1,1

1

15 bis 19 Jahre

1,1

0,9

ab 19 Jahre

1

0,8

Schwangere

ab dem 4. Monat

1,1

Stillende

1,5

Vitamin A in Nahrungsmitteln

Der Vitamin-A-Bedarf kann sowohl über pflanzliche als auch tierische Lebensmittel gedeckt werden. Es sollte jedoch beachtet werden, dass Licht und Hitze zu enormen Lagerverlusten führen kann und erst die kombinierte Einnahme von retinolhaltigen Lebensmitteln mit Fett zu einer ausreichenden Absorptionsrate führt, weshalb besonders pflanzliche Lebensmittel zur Vitamin-A-Versorgung immer mit etwas Öl angerichtet oder gedünstet werden sollten.

Vitamin A ist vor allem in Lebertran (30 mg/100g), Schweineleber (21 mg/100g) und Rinderleber (18,1 mg/100g) enthalten. Aber auch geräucherter Aal (0,7 mg/100g) und Butter (0,6 mg/100g) sind gute, tierische Quellen für Vitamin A.

Pflanzlich verfügbares Vitamin A wird vor allem durch beta-Carotin gedeckt, das in Süsskartoffeln (8,6 mg/100g), gedünsteten Karotten (6 mg/100g), gegartem Spinat (5,2 mg/100g) und Fenchel (4,7 mg/100g) enthalten ist.

Vitamin-A-Mangel und -Supplementierung

Ein Vitamin-A-Mangel hat verschiedene Ursachen. Neben Stress, Nikotin- und Alkoholkonsum, können auch Störungen der Leber, Bauspeicheldrüse oder Gallenblase die Aufnahme von Vitamin A hemmen. Ausserdem führt eine Schilddrüsenüberfunktion, chronische Entzündungen und eine verminderte Fettaufnahme zu einer Vitamin-A-Unterversorgung.

Ein Mangel äussert sich vorerst in den Augen mit dem Auftreten von Nachtblindheit, Bitot-Flecken (schuppige Wucherungen) oder Erblindungserscheinungen. Weiterhin kann es zu einem erhöhten Risiko für Ohrenentzündungen und einer verminderten Geruchsempfindung kommen. Trockene Schleimhäute, ein Zurückgang der Speicheldrüsen und des Darmwandepithels sowie Bronchitiserkrankungen und Lungenentzündungen sind weitere Folgen eines Vitamin-A-Mangels.

Ausserdem beeinträchtigt eine Vitamin-A-Unterversorgung die Fortpflanzung aufgrund einer verminderten Spermatogenese. Beim Ungeborenen können bei einer mütterlichen Vitamin-A-Unterversorgung hingegen Missbildungen im Bereich des Gehörganges, Verdauungs- und Urogenitaltraktes entstehen.

Therapiert wird eine Unterversorgung mit einer erhöhten Vitamin-A-Zufuhr über Nahrungsmittel und durch eine individuell eingestellte Supplementierung im ernährungsmedizinischen Dosierungsbereich.

Es sollte jedoch beachtet werden, dass zu hohe Dosen Vitamin A zu Nebenwirkungen führen können. Frauen, die schwanger werden möchten oder bereits schwanger sind sollten deshalb die tägliche Gesamtzufuhr auf 8000 IE (ca. 2,4 mg) Retinol-Äquivalente beschränken. Andere Erwachsene hingegen sollten eine Zufuhrmenge von 3 Milligramm pro Tag nicht überschreiten, wobei besonders ältere Menschen und Säuglinge ein hohes Risiko für eine Vitamin-A-Hypervitaminose aufweisen. Symptome einer Überversorgung äussern sich in Kopfschmerzen, Übelkeit und dem Sehen von Doppelbildern. Eine chronisch hohe Vitamin-A-Zufuhr führt des Weiteren zu Müdigkeit, Blutarmut, Muskelschmerzen und anderen unspezifischen Symptomen.

 

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